Freitag, 17. April 2026

Uli Fern | Momente und Ewigkeit – Einführungsvortrag

 








Liebe Gäste, lieber Künstler Uli Fern!

Zu jeder Zeit gab es Trends und Hypes.

In der Barockzeit liebte man die Darstellung der Himmelfahrt in den Kirchen. Vor allem in den katholischen. In Gewölben und Kuppeln war die Szene des „Auffahrens“ – des Christus oder auch der Maria – malerisch umgesetzt:
dramatisch, illusionistisch und voller Lichteffekte. Kunstvoll wurde eine Verbindung zum Himmel hergestellt, zum Paradies: so, als öffne sich das Himmlische für den Moment, wenn die heiligen Personen – gegen alle Schwerkraft – hinaufschweben in die Ewigkeit.

Das menschliche Sehen wurde regelrecht gefoppt: die Darstellungen spielen mit perspektivischen Raffinessen, changieren zwischen realen und gemalten Architekturelementen usw. 

Heute würden wir solche Darstellungen mitunter Fakes nennen.

Aber Vorsicht: Unsere Zeit steht der barocken Bilderflut in nichts nach, im Gegenteil: nie gab es so viele bildliche Darstellungen wie jetzt.

Himmelfahrt … kann es so etwas geben?

Die englische Sprache unterscheidet zwischen „sky“ und „heaven“. Das bringt uns dem Gedanken der Himmelfahrt vermutlich etwas näher – denn gemeint ist natürlich nicht der physikalische Himmel, sondern der metaphysische.

In einem Vorgespräch mit dem Künstler Uli Fern erinnerten wir uns beide daran, wie unsere Großmütter uns erzählten: „Dort oben wohnt der liebe Gott. Der beschützt uns.“

Ja, das war wohl noch typisch für viele Generationen. Für ein kleines Kind erscheint diese Aussage meist plausibel, später empfindet man sie eher romantisierend und sogar naiv.

Allerdings fällt auf, dass viele Menschen, die betonen, nicht an Gott zu glauben, hin und wieder äußern, das Universum habe es beispielsweise gut mit ihnen gemeint. Und da sind wir plötzlich mittendrin im metaphysischen Himmel! Denn hier ist mit „Universum“ ganz gewiss nicht die Lichtbrechung durch die Erdatmosphäre gemeint – und schon gar nicht die Wolken, die aus Wassertröpfchen und Eiskristallen bestehen und uns immer wieder andere Bilder über der Landschaft bescheren.

Das Universum, so es denn (in der Vorstellung einiger) in unser Schicksal eingreift, ist jedenfalls das „Dahinter“, das, was wir nicht sehen.

Nun ist das Blau des Himmels allerdings eine sehr besondere Farbe. Es ist die Farbe, die am „tiefsten“ wirkt, also einen Eindruck von Unendlichkeit vermittelt. Wenn wir auf einem Berg oder jedenfalls auf einer Anhöhe stehen und ins Weite blicken können, sehen wir – sofern wir es uns bewusst machen –, dass die Farben in der Ferne „verblauen“, also blauer erscheinen. Leuchtendes Rot kommt nur im Vordergrund vor, während sich im Hintergrund alles in Richtung Blau-Töne bewegt.

Den Himmel mit Unendlichkeit zu verbinden, braucht also gar nicht das Wissen, dass das All, das Universum tatsächlich grenzenlos ist, sondern es ist bereits farbpsychologisch begründet. Ein strahlend blauer Himmel bietet einen ganz anderen, tieferen Raum als ein bleiern wolkenverhangener.

Auch wenn die Himmelfahrtsdarstellungen in den Kirchen irgendwann aus der Mode kamen – vielleicht hier und da noch durch eine schwebende Christusfigur angedeutet wurden, dies dann auch im evangelischen Bereich –, so kommt das Blau des Himmels immer wieder mal vor.

Auch hier in unserem Kirchraum müssen wir nur nach oben blicken:

Wir sehen eine Holzdecke, in vielen Blau-Nuancen gestrichen.

Und in einigen anderen Kirchen, oft aus dem 19. Jahrhundert, finden wir blau bemalte Gewölbe, teils mit goldenen Sternen. 

Die Theatralik des Barock verlor sich also, übrig blieben sozusagen abstrahierte Reste – mit denen wir heutzutage mehr anfangen können als mit der Fülle illustrativer Bilder.

Und dieser Gedanke brachte mich dazu, eine Ausstellung mit Uli Fern Himmels- und Wolkenbildern in unsere Kirche zu bringen.




In 23 Jahren „Kunst in der Apsis“ haben wir nie auf den Feiertag Christi Himmelfahrt geblickt.

Das ist einerseits eigenartig, andererseits doch nicht verwunderlich: Der „Vatertag“ stellt den christlichen Feiertag mittlerweile in den Schatten. Zwar haben die Bier-Bollerwagen keine Verbindung mehr mit dem ursprünglichen Inhalt, die Ausflüge in die Natur aber doch. Prozessionen durch die Frühlingslandschaften gibt es heute noch, daraus entstanden die Wanderungen und Streifzüge durchs Gelände – die jedenfalls eines ausdrücken: Freude und Freiheit.

Der barocke Überschwang ist da gar nicht weit weg: Warum auf die „Party im Himmel“ warten, wenn man sie schon auf Erden haben kann?

Himmelfahrt ist ein Abschied, ein endgültiger, aber versöhnlicher – man weiß Christus an der „richtigen Stelle“ bei „Gott im Himmel“, so wie die Oma es schon geschildert hat. Und das bedeutet: Happy End der Geschichte. Die österliche Freude noch einmal anders, beides mit starkem Bezug zur lebendigen Natur.

„Stundenlange Rennradfahrten mit Freunden am Niederrhein. Cumuluswolken und strahlend blauer Himmel. Sonnenschein, warmes Klima, Wohlbefinden.“ So erzählt Uli Fern über seine Touren  in die Natur.

Wir haben die Ausstellung Momente und Ewigkeit genannt.

In der Erinnerung an die stimmungsvollen Ausflüge, die der Künstler hier schildert, schwingt der Wunsch mit:

So sollte, möge es immer bleiben. Aber das ist bekanntlich unrealistisch, trügerisch, denn möglicherweise „frischt bald Wind auf und kühlt Beine und Arme. Dunkle Regenwolken kommen entgegen.“ Die gefühlte Ewigkeit kippt um, wird vielleicht zu unangenehmen Momenten. 

„Stimmungen und Wolkenbilder ,“ so der Künstler weiter, „versuche ich nun seit etwa 25 Jahren im Atelier umzusetzen. Diese Bilder über, vor und unter uns – wenn man aus dem Flugzeug blickt – haben es mir angetan. Tageszeiten, Jahreszeiten, Wetter, ein ständiger Wechsel von Licht, Form und Farbe“. Manchmal glaube man, in den Wolkenformationen Lebewesen oder Gegenstände zu entdecken.

 Natürlich fiel mir auch der bekannte Songtext oder Refrain von Reinhard Mey ein (1974):

 „Über den Wolken

Muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

[…]

Und dann

Würde was uns groß und wichtig erscheint

Plötzlich nichtig und klein“

Da ist sie wieder, die Transzendenz, die Begeisterung, die Verschiebung der alltäglichen Relationen – die in den barocken Malereien enthalten ist, aber auch heutzutage Künstler und Künstlerinnen inspiriert, sich in ihren Werken von Momenten, Raum und Zeit zu lösen.

Und diese Gedanken, ja Sehnsüchte haben seit Jahrhunderten in Kirchen ihren Platz – vermittelt durch Worte und Bilder.

 Uli Fern wurde 1953 in Stollberg im Erzgebirge geboren. Seine Kunstausbildung erhielt er von Walter Urbach und Burkhard Siemsen. Seit den 1990er Jahren ist er künstlerisch tätig. Er war Mitbegründer der Künstlergruppe MAVIS, die zeitweise auch Galerieräume betrieb (erst Düsseldorf, dann Kaarst). Er präsentierte zahlreiche Ausstellungen in der Region.

Uli Fern lebt und arbeitet in Meerbusch.

Ich wünsche einen inspirierten Gang durch die Ausstellung, schöne Momente mit einem Hauch Gedanken an Ewigkeit. Vielen Dank!



Marlies Blauth





 

 









Dienstag, 31. März 2026

Sonntag, 29. März 2026

Sonntagabend um sechs

 




Ev. Kirche Osterath, Alte Poststraße 15, 40670 Meerbusch-Osterath

Bethlehemkirche, Dietrich-Bonhoeffer-Straße 9, 40667 Meerbusch-Büderich

 

Veranstaltungen Sonntagabend um sechs, also jeweils um 18 Uhr:

 

April 2026

19. April   Bethlehemkirche   Bibelgespräch Engelworte

26. April   Ev. Kirche  Osterath   Wie die Slawen Christen wurden

 

Mai 2026

3. Mai   Bethlehemkirche   Taizé-Gebet Singt dem Herrn                                                  

31. Mai   Bethlehemkirche   Thema Glaube

 

Juni 2026

14. Juni   Ev. Kirche Osterath   Taizé-Gebet Sanftes Sausen

 


















Dienstag, 27. Januar 2026

Vorschau: Michaela Düllberg | ÜBERFAHRT – ZWISCHEN RAUM UND ZEIT

 






















Vernissage LICHT – IST

 





im Gottesdienst vor der Vernissage





die Künstlerin Sabine Schaffmeister spricht über ihre Arbeit












Montag, 12. Januar 2026