Montag, 17. Februar 2020

Andrea Weyergraf-Hahn – Hoffnung
















Kirchraum









Andrea Weyergraf-Hahn, Jahrgang 1960, lebt und arbeitet in Ratingen.
Sie lernte bei verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen Zeichnen und Malen und entwickelte individuelle Arbeitsmethoden mit besonderer ästhetischer Wirkung: Viele verschiedene Malschichten, zum Teil auch lockere Pigmente, werden aufgetragen und mit anderen Materialien kombiniert. Dabei können beispielsweise Papiere mit handgeschriebenen Texten eingearbeitet und auch Metallstücke als Assemblage aufmontiert sein.

Das Stoffliche, Haptische, die Gegensätze zwischen verwitterten, schroffen Materialien und zarter Malerei ist ihr wichtig: Auf dem Bild in der Apsis scheinen lichte Farbschichten hinter zwei rostigen Stäben hervor, die, parallel über dem Bild schwebend, an den senkrechten Balken des christlichen Kreuzes denken lassen. 








Foto ganz unten: Anna Schriever










Freitag, 7. Februar 2020

Montag, 20. Januar 2020

Helga von Berg-Harder | Schatten und Licht – Einführung von Dr. Jutta Höfel











Zur Ausstellung „Schatten und Licht“ von Helga von Berg-Harder


Helga von Berg-Harder ist Fotokünstlerin, also arbeitet sie mit dem Licht und mit dem Schatten, der es zur Geltung bringt. Denn das eine ist nicht ohne das andere für uns Menschen, die wir zwischen den Absoluten unseren mittleren Weg suchen.

Diese Idee lässt sich in der Einladung wiederfinden: Von unten groß und oben kleiner sind Keile aus Helligkeit durch die Finsternis geworfen, grobe Tritte eines alten Pflasters, dahinter eine grusige Fläche, die aufgelöster sich fortsetzt in dem oberen Segment, das vielleicht nicht mehr von dieser Welt ist, wohin man nicht weitergeht, sondern aufsteigt.

Die Ausstellung steht im Kreise des kirchlichen Festes Epiphanias, das die Erscheinung Gottes in Gestalt Christi feiert, einst zusammen mit dessen Geburt, der unter dem Zeichen des Sterns auch die drei weisen Könige huldigten.

Die Existenz des Heilands, der leuchtende Kometenschweif und die im Nordwinter nach der Sonnenwende nun wieder wachsenden Tage verbinden sich zu diesem Anlass: Das Gotteslicht scheint durch den Kosmos zur Erde nieder und durchstrahlt auch die Schattenseiten unseres Lebens.

Mit ihren auf zentrale Kontraste und ausgesuchte Effekte reduzierten Bilder öffnet Helga von Berg-Harder unseren Assoziationen ein weites Feld, sowohl mit den analogen Schwarzweißaufnahmen als auch mit den leuchtend farbigen Sujets des Schach-Zyklus, in dem die Künstlerin expressive Figurinen aus vielen Kulturen in Dialogen miteinander inszeniert und damit Stellung bezieht zum Geschehen der Zeit.

In der Apsis sehen wir eine Landschaft aus Rotgoldtönen wie am Rande eines Vulkans, vor dem Menschen nacheinander die Höhe erklimmen, auf der Flucht vor der Vernichtung, vor der Hölle eines Krieges. Das Glühen umhüllt als Wüstenatmosphäre auch die Antilopen mit übergroßem Gehörn, glänzt über die Oberfläche der Bronzen hin und wirft ihre Schattenzeichnungen auf den Grund.

Fotografie ist in technischer und ästhetischer Hinsicht ein Malen, Zeichnen, ein Umgang mit dem Licht, das mit dem Objektiv eingefangen und unter anderem durch Beleuchtung, Blendenwahl, Zeit und Filter gestaltet werden kann. Handwerkliches Können und kreative Inspiration gehen bei Helga von Berg-Harder geglückt zusammen; sie fertigt ihre Abzüge als Unikate in der eigenen Dunkelkammer und nutzt auch bei der Entwicklung jede Möglichkeit als Lichtbildnerin.

Ihre kontemplativen Aufnahmen zeigen oft Naturphänomene – Erscheinungen –, kleine Still-Leben oder große Bewegungen wie die ziehenden und treibenden Wolken, kompakte und transparente Gebilde aus Wasser und Luft, die zwischen düstrer Ballung und gleißender Kontur einander wie Positiv und Negativ gegenüberstehen.

Faszinierend sind dabei auch die Entsprechungen zwischen Himmel und Erde: zartzerfasernde Wald- und Wolkensilhouetten oder fliegende Figurationen über dem Meer und Menschen am Strand: Göttergestalten und eine Mutter mit Kind.




In den architektonischen Serien finden sich häufig Kontraste zur Technik:
energetische Dampfkonzentration über filigranen Strommasten oder die harten klaren Gerüste und Seilzüge einer Hängebrücke vor feindunstigen Schichten. Und an einer Kirche wacht ein Heiliger mit Kreuz vor dramatischer Skyline, als wolle er dem heidnischen Schleudern von Blitzen Einhalt gebieten.

Mit ihrer Kamera hält die Künstlerin nicht nur die unmittelbare Vorderseite der Wirklichkeit fest, sondern erfasst auch hintergründige Bedeutungsebenen, die sie in ihren Arbeiten mitschwingen lässt.
Überhaupt ist sie eine Meisterin zurückhaltender Gestaltung, die zumeist auf der Kunst des Sehens beruht, auf der Wahrnehmung der perfekten Situation, in der alles passt.

Sie nennt ihre Arbeit „Fotolyrik“, die man „mit Augen fühlt“ und betont damit nicht nur ihre künstlerische Perspektive, eine verdichtete Formsprache zu schaffen, sondern auch das darin enthaltene Angebot, unseren Blick in der Betrachtung ihrer Bilder zu erweitern und zu vertiefen.

Um besondere Momente wahrzunehmen, überall, wo wir sind, wie die feinkörnigen, in den Sand gewehten Miniaturlandschaften, scharfkantig konturierte Lichtlanzen und Schattenspeere, oder, viel alltäglicher: die Rahmung und Rasterung des hinein- und hinausscheinenden Lichts durch die Gitter und Kreuze unserer Fenster.

Vielleicht denken wir dabei noch einmal zurück an die Entstehung des Christentums, in das manche Aspekte damals bestehender dualistischer Weltanschauungen einmündeten, in denen das göttliche Licht als Funke in die finstere Materie – auch in uns – eingekörpert ist, um sich durch Erkenntnis aufzuschwingen und zu befreien.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und einige Besinnlichkeit in dieser Ausstellung mit den Werken von Helga von Berg-Harder, gesehen und festgehalten im spontanen Erkennen und erfahrenen Wissen um die Schönheit der Welt.


©2020 Dr. Jutta Höfel


















Montag, 6. Januar 2020

Atelierbesuch bei Helga von Berg-Harder









Helga von Berg-Harder























Mittwoch, 18. Dezember 2019

Katalog Kunst in der Apsis II










Unser – zweiter – Katalog Kunst in der Apsis ist fertig.

Für 10.-- € plus Porto kann er bestellt werden über die



Evangelische Kirchengemeinde Osterath

Gemeindebüro

Alte Poststraße 15
40670 Meerbusch


oder blauth.helix(at)t-online.de










Buchvorstellung am 18. Dezember 2019 mit Marlies Blauth, der Organisatorin, und Friedel Tischler, 
dem Vorsitzenden des Presbyteriums.


Foto: Dr. Bertram Müller











Dienstag, 12. November 2019

Suche Frieden ... – Einführung von Pfarrer i. R. Falk Neefken







Ilse Petry-Ambrosius: Frieden. Detail aus ihrem Triptychon





Werte Anwesende,

[...]


Suche den Frieden und jage ihm nach heißt das Thema unserer aktuellen Ausstellung. Es ist die Jahreslosung der Evangelischen Kirche für das Kirchenjahr 2018/19. Wer hätte gedacht, dass dieses Kirchenjahr von weltweit so zerstörerischen kriegerischen Konflikten und gesellschaftlichen Verwerfungen gezeichnet wäre, wie es sich uns im Augenblick zeigt.

Prophetisch könnte man diese Losung, diese Parole für das kirchliche und christliche Handeln also bezeichnen. Die Aufforderung der Losung ist so notwendig wie bisher.

Unser Leben ist unfriedlicher geworden, weltweit und in der deutschen Gesellschaft. Brauner Sumpf und terroristische Ignoranz sind nur zwei von vielen unser Zusammenleben zersetzenden Strömungen, die zu auch aggressiven Zerwürfnissen geführt haben, bis hin zu politisch und antisemitisch motivierten Morden.

Es ist „umnachtete Zeit“, schreibt Marlies Blauth, „der boshafte (steht) nebenan und rührt die zukunft in seine töpfe“.

Das aber darf nicht von Erfolg gekrönt werden. Deshalb das Suche den Frieden und jage ihm nach aus dem Psalter des Alten Testaments, aus einer Lied- und Gebetssammlung, die weisheitliche und prophetische Elemente enthält, deren Metaphern und Bildern seit zweieinhalb Jahrtausenden Menschen ansprechen und bewegen, weil man sich in ihnen bis heute wiederfinden kann.

Suche den Frieden und jage ihm nach ist noch immer hoch aktuell und gesellschaftlich relevant. Aber wie Frieden darstellen ohne die den Kitsch der Düsseldorfer Nazarener im 19. Jahrhundert oder der Stilmittel des propagandistisch aufgeladenen sozialistischen Realismus u. a. in der DDR? Elend, Krieg und Verderben, Not und Chaos künstlerisch darzustellen, scheint um ein Vielfaches einfacher zu sein.

Laura Flöter hat da eine interessante Lösung gefunden. Auf weißem hellen Hintergrund stellt sich für mich zunächst ein Chaos dar. Meine Augen wissen gar nicht, wo sie den Blick festmachen sollen. Ich muss schon genau hinsehen, am besten ganz nah herangehen, um die vielen Alltagsdinge einzeln wahrzunehmen, die sie verarbeitet hat. Haptische Reise lösen sie aus. Ich möchte sie anfassen, die Würfel und Münzen, die Trillerpfeife, den Angelhaken und die Spielfiguren, die mit anderem da wüst durcheinander auf die Leinwand gebracht und mit hellen, luftigen Farben übermalt sind. Der Designer Ursus Wehrli hätte seine liebe Not, wollte er eines der Bilder von Laura Flöter in einem seiner Kunst-Aufräumen-Bücher verwenden.

Und der Frieden, wo finden wir den in ihren Bildern? Er schimmert hinter den Gesellschaftsspielen, die abgebildet und zitiert werden. Backgammon, Schach, Mensch-ärgere-dich-nicht. Spiele, die oft genug in Zoff und Eskalation ausarten, an denen Freundschaften und Familien zerbrechen können. Das Aggressionspotential von Brettspielen wird gern verkannt. Und doch sind es Spiele, mit denen man lernen kann, von Kind auf, dass Regeln, also letztlich Verträge, zum Sich-Vertragen da sind. Ohne Regeln, ohne Verträge kann keine humane Gesellschaft auf Dauer existieren. „Frieden“, vermittelt uns Laura Flöter, „kann gelingen, auch im Konflikt – wir müssen nur endlich lernen, gute Verlierer zu sein. Und gute Gewinner.“ Was wohl heißt: Regeln einzuhalten.

Vom Gebrochenen geht auch Inge Heinicke-Baldauf aus, die mehrfach eine Ikone der Friedensbewegung aufgreift, verändert, variiert. Die Friedenstaube. Gemalt hat sie Pablo Picasso, Mitglied der kommunistischen Partei Frankreichs. In Paris wurde sie 1949 auf dem „Weltkongress der Kämpfer für den Frieden" zum Ursymbol der Weltfriedensbewegung. In der DDR, die vor 30 Jahren implodierte, war sie verbreiteter als Hammer und Sichel.

Dabei, Sie wissen das, ist das Bild der Taube biblischen Ursprungs. Noah lässt sie aus der Arche fliegen, um zu erkunden, ob die tödlichen Fluten der Sintflut versickert sind. Ob Menschen wieder in Frieden und Ruhe leben können. Seine Hände, mit denen er sie loslässt oder bei ihrer Rückkehr empfängt, sind unzählig dargestellt worden. Inge Heinicke-Baldauf greift diese Szene in einem postkartengroßen Bild auf.

Unschwer erkennt man in den Linien den Umriss einer Taube. Sie hat die Flügel ausgebreitet, um – die doppelte Linienführung lässt dies vermuten – flatternd davon zu fliegen. Zwei Hände strecken sich nach ihr aus, von unten rechts nach oben links, eine Dynamik anzeigend, die durch den Farbverlauf von Dunkelmagenta bis ins helle, warme Gelb oder Ocker unterstrichen wird. Lassen die Hände los oder greifen sie nach der Friedenstaube? Ich entscheide mich für Letzteres. Wir jagen dem Frieden nach – aber immer wieder entzieht er sich uns. Er ist vorerst nicht zu fassen.

Es ist die Doppeldeutigkeit in Inge Heinicke-Baldaufs Bildern, die mich anspricht. Der Wunsch nach Frieden, und daneben die Zerbrechlichkeit aller Friedenshoffnungen. Ein realistisch-pessimistischer Blick, wenn da nicht die Taube wäre, die wie Phönix aus der Asche aufsteigt. Kräftige Linien, mit flüssigem Kunststoff aufs Blatt gebracht, zeigen uns diese Szene.

Mehrere so gestaltete Entwürfe für das eben besprochene Bild stellt Inge Heinicke-Baldauf aus, das als Cover für ein Arbeitsbuch zur Jahreslosung ausgewählt wurde.

Völlig anders als die bisher Genannten arbeitet Ilse Petry-Ambrosius. Alle Bilder sind mit Acryl auf Leinwand gemalt. Nur eins ist auf Leinwand gedruckt, eine auf dem Tablet entstandene Zeichnung. „Stacheldraht überwinden“ heißt es, bezieht sich auf das Flüchtlingsdrama unserer Tage. Es lebt vom Schwarz-weiß-Kontrast.

In den drei Bildern in der Apsis hat Ilse Petry-Ambrosius eine Fülle von christlichen Symbolen verarbeitet. Schon seit den 80er Jahren ist Ilse Petry-Ambrosius im Rahmen der Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss in der kirchlichen Friedensbewegung zu Hause. Es verwundert also nicht, dass sie fast spielerisch unterschiedlichste christliche Motive und Bilder miteinander verknüpft und mit ihrer dezenten und dennoch expressiven Farbwahl die Hoffnung auf Frieden vermitteln will. Eine Hoffnung, die Angesichts der Rückschläge in der Versöhnungsarbeit vieler gesellschaftlicher Gruppen immer wieder zu erlahmen droht. In ihrem Bild „Der Kelch“ ist rund um den Abendmahlskelch, dem Sinnbild der Gemeinschaft, alles zerbrochen. Splitter ringsum. Einzig der Kelch ist heil geblieben, goldumrandet vermittelt er noch Hoffnung.

Aber hier, in der Apsis, dominiert der positive Blick in die Zukunft. Die Taube darf natürlich nicht fehlen. Auch nicht die wachsende Knospe, die für den Erhalt der Schöpfung und damit für den Erhalt der Lebensmöglichkeiten steht. Kettenglieder und eine Menschen­kette stellen wie der Kelch die Notwendigkeit eines gesell­schaftlichen Zusammenhalts dar. Aber auch deren Kraft und Wille, Disparates zusammenzuführen. Da nimmt es nicht Wunder, dass, fast schon poetisch, ein Engel der Sonne entgegenfliegt. „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es sie gibt, die Friedensengel“, sagt Ilse Petry-Ambrosius, „ . . . Menschen, die sich um andere kümmern. Umso wichtiger ist mir, mit allen Sinnen darauf hinzuweisen, damit sie entdeckt werden können.“

Die heutige Ausstellung ist auf Anregung des „Treffs Kunst und Kirche“ in Meerbusch entstanden. Wir hatten an sich gehofft, dass auch in anderen Stadtteilen im zu Ende gehenden Kirchenjahr noch einmal gemeinsam die Jahreslosung Suche den Frieden und jage ihm nach thematisiert werden könnte. Büderich, Strümp und Lank sind aber andere Wege gegangen.

Der Treff Kunst und Kirche ist, wie der Name schon sagt, gedacht als Gesprächs- und Ideenforum für an Kunst und Kirche Interessierte. Dazu gehören auch Literaten und Musiker. Zwei, die sich hier besonders engagieren, sind Marlies Blauth und Norbert Laufer. Mehrfach hat Norbert Laufer Gedichte von Marlies Blauth als Inspirationsquelle für Kompositionen genutzt. Zur Uraufführung kommen jetzt Gitarrenstücke über drei Gedichte, deren Texte Ihnen ausliegen.

In „1000 Kraniche“ nimmt Marlies Blauth Bezug auf eine japanische Legende, nach der derjenige, der 1000 Origami-Kraniche faltet, 1000 Jahre leben würde. Eine nach dem Atombombenangriff an Leukämie erkrankte Schülerin faltete mehr als 1000 Kraniche in der Hoffnung, gesund oder mindestens alt zu werden. Wurde sie nicht, aber sie ließ sich nicht entmutigen und faltete hoffnungsvoll Papier-Kraniche bis zu ihrem Tod.

Ich bin gespannt, wie Norbert Laufer dies und die anderen beiden Gedichte umsetzt. Er versteht seine Musik als „Fortsetzung klassischer Musik in modernen Formen“. Freuen Sie sich mit mir auf das Gitarrenspiel von Andreas Stevens.


Falk Neefken