Donnerstag, 7. Juni 2018

Vorschau: Heinrich Deleré – Natur





















Atelierbesuch bei Heinrich Deleré


























Einführungsrede von Falk Neefken – zu Anne Kurth



Foto: Horst Kurth




Liebe Frau Kurth,
werte Kunstinteressierte,

seit 18 Jahren existiert „Kunst in der Apsis“. Ursprünglich eine Initiative zur Findung eines Objektes für die Apsis hat sich „Kunst in der Apsis“ zur Institution gemausert. Eine Transformation, die Ihnen, Frau Blauth, zu verdanken ist.

Sie, Frau Kurth, präsentieren hier zum zweiten Mal eine Auswahl Ihrer Werke. Und wieder sind es Bilder mit figürlichen Motiven, was sicher den Skeptikern abstrakter Malerei besonders gefällt. Zumal es ja seit Jahrhunderten Usus ist, in Kirchen Szenen biblischer Geschichten oder frommer Erlebnisse zu zeigen. Bilder und Plastiken, die leicht zu lesen sind und die den Gebäuden ihren Flair aufdrücken.

Ca. 1.300 Jahre ist es her, dass ein Vulkanausbruch in der Ägäis, vor Santorin, die Bewohner des Byzantinischen Reiches in Angst und Schrecken versetzte. Wie alle Naturkatastrophen damals wurde auch diese als ein Zeichen göttlichen Zorns gedeutet. Konkret, so vermuteten einige, nicht alle Theologen der damaligen Zeit, hätten die Herstellung und Verehrung von Bildern Gottes, Christi oder von Heiligen diesen himmlischen Zornesausbruch hervorgerufen.

Aus dieser Deutung entwickelte sich der erste große Streit um Bilder in der Kirche. Unversöhnlich standen sich Befürworter und Gegner gegenüber. Der Konflikt wurde damals nicht endgültig gelöst. Und ist es bis heute nicht.

Hier am Niederrhein gilt die evangelische Kirche noch immer eher als bilderfeindlich. Denn hier prägte gut 400 Jahre lang der calvinistische Zweig der Reformation das gottesdienstliche Leben, in dem der Wortverkündigung eine so herausgehobene Bedeutung zukommt, dass alles andere als überflüssig angesehen wird.

Das änderte sich nach dem Krieg durch den Zuzug von lutherisch sozialisierten Christen aus den deutschen Ostgebieten. Oft genug kam es zu unerquicklichen Szenen, wenn ein Pfarrer Kerzen, Blumen, aber eben auch Bilder aus dem Kirchraum entfernte, die sein Kollege gerade hatte aufstellen und aufhängen lassen.

Für Martin Luther sind „Bilder weder gut noch böse, man mag sie haben oder nicht haben.“ Diese Indifferenz führte zur Toleranz der Lutheraner der Kunst gegenüber. Und eröffnete so eine neue Freiheit für Künstler. Man kann das als den Beginn der autonomen Kunst deuten, die sich in den folgenden Jahrhunderten herausbildete.(W. Hofmann, „Luther und die Folge für die Kunst“).

Natürlich liegen die Wurzeln dieser Auseinandersetzung im Bilderverbot des zweiten Gebotes. Für Luther aber ist das Bilderverbot des Alten Testamentes „zeitliche Ceremonia“, also – auf das – nicht verbindlich. Er ist sich vielmehr bewusst, dass „wir armen Menschen in den fünf Sinnen leben . . . und nichts ohne Bilder verstehen noch denken können“. Für ihn sind Kunstwerke wie die Musik hilfreiche Mittel, das Evangelium zu verbreiten.

Bilder, Kunstwerke kommen unseren menschlichen Grundbedürfnissen nach, sich mit den Augen irgendwo zu orientieren und festhalten zu können. Wobei qualitätvolle Kunst nicht nur das vor den Augen Liegende abbildet oder darstellt, vielmehr gleichzeitig eine Erfahrungsebene (ggf. die religiöse Dimension) dahinter zu öffnen vermag.

Sie, Frau Kurth, stellen uns hier einen Zyklus von sieben Bildern unter der Thematik „Wasserzeichen“ vor Augen. Wasserzeichen sind Prägungen im Papier, die man oft nur mit Hilfe von Waschbenzin sichtbar machen kann. Wasserzeichen sind also Informationen, die gleichsam subkutan überkommen. Nicht sofort ersichtlich, aber doch aufspürbar, erfahrbar.

Bibelkundige werden unschwer die biblischen Szenen in Ihrem Zyklus erkennen, Frau Kurth. Anderen wird es wohl eher so ergehen wie Zeitgenossen, denen die griechische Mythologie in Bildern der Renaissance erst entschlüsselt werden muss.

Sieben. Das ist die Zahl, die Vollzähligkeit bedeutet. Ein Ganzes. Etwas Vollkommenes. In sieben Tagen hat Gott die Welt geschaffen. Und siehe, es war sehr gut, heißt es.

Sieben Tage hat die Woche. Sieben Wochen dauert die Passions- bzw. Fastenzeit, sieben Wochen liegen zwischen Ostern und Pfingsten. – So gesehen stellen Sie uns etwa Abgerundetes vor. Zumal die sieben Szenen das Spektrum von At und NT, also die ganze Bibel umfassen. Darstellungen von Wasser als Zeichen des Lebens – und des Verderbens, man betrachte in Ihrem Bild „Durchzug durchs Rote Meer“ nur das in den Wasserfluten ertrinkende ägyptische Heer.

Das Wesentliche in diesem Bild aber scheint mir die Leichtigkeit zu sein, mit der sich die Israeliten zwischen den Wassermassen bewegen, tänzelnd wie die vier in Gelb gehaltenen Frauengestalten darüber. Wie heißt es doch in einem unserer Gesangbuchlieder? Und

Miriam, Miriam schlug auf die Pauke
und Miriam tanzte vor ihnen her.
Und alle, alle fingen zu tanzen an.
Groß war Gottes Tat am Meer.

Gottes Tat. Wir wissen nicht genau, was damals geschehen ist. Anzunehmen ist, dass es hier um eine Rettungserfahrung geht. Also um Lebensermöglichung, um Lebensfreude. Beides in Ihren Bildern spürbar.

Ihr Bild „Arche Noah“ erinnert an ein modernes Containerschiff, für mich stellen sie damit einen Bezug zu unserer Gegenwart her. So wie ich im Zeigefinger des taufenden Johannes ein Zitat von Matthias Grünewald und damit zur Tradition biblischer Gemälde entdecke.

Gemälde, so habe ich Sie verstanden, sind es ja nicht, was Sie uns zeigen. Sie kommen, wie sie mir sagten, von der Radierung her. Versuchen erfolgreich, diese Technik auf Papier anzuwenden. Linien sind Ihnen dabei wichtig. Konturen. Sie zeichnen mit Bleistift vor, kolorieren mit Aquarell, meist aber mit Kreide. Ritzen Linien im Farbauftrag nach. (Aber Ihre Technik beschreiben, das können Sie, wenn gewünscht, nachher sicher besser als ich).

Sie haben im Interview mit der Presse erläutert, dass Ihnen Ihre Ideen beim Hören von Musik kommen, vor allem beim Hören von Bachkantaten, aber auch bei Stücken von Händel. Die Melodien evozieren in Ihnen offensichtlich Bilder, die Sie gestalterisch umsetzen. Und setzen sich dann seilst das Thema, hier also „Wasserzeichen“. Es sind keine Auftragsarbeiten, die Sie uns präsentieren. Schon gar keine kirchlichen. Aber Ihre Werke passen gut in unsere Kirche. – Ein Zyklus zu den sieben letzten Worte Jesu am Kreuz schmückt die Lukaskirche in Krefeld.

Das Bild in der Apsis gehört nicht zur Reihe der sieben Wasserzeichen. „Aufwärts“ titeln Sie es. Ein Emporschweben der Seele, die sich von der Erdenschwere löst, nochmals zurückblickt und dann immer leichter neue Welten schaut.

Man denkt unschwer an Tod und Auferstehung. Man könnte auch an Meditation denken. An das, was Bilder beim Betrachten auslösen.

Kein Auge ist zufrieden,
weil es sieht.
Kein Ohr fühlt sich verstanden,
weil es hört.

Die Sinne wollen mehr.
Sie wollen ineinander fließen
wie Farben,
die im Licht der Sonne baden
und wie Gefühle,
die sich in Bildern entladen.

So werden wir die Rosen singen hören
und sehen, wie die Vögel ihre Lieder
an den Himmel malen.

Kunstwerke bieten Raum für ein Sich-Einfühlen. Lassen Chancen, eigene Deutungen in die Kunstwerke zu tragen und so Bezüge herzustellen mit eigenem Erleben und eigener Sinnsuche.

Das dies mit Ihren Bildern hier in Kunst in der Apsis geschehe, das wünsche ich Ihnen und uns.

Denn Kunst und Religion, damit schließe ich, gehören eng zusammen. Beide drücken auf ihre Weise aus, was uns unbedingt angeht. Beide sind in unterschiedlicher Form an individuelle Erfahrungen gebunden.

Individuelle Erfahrungen zeigen Sie, Frau Kurth, in der Serie „Kinderspiele“ im großen Saal. Das ist aber ein anderes Thema, auf das ich nicht noch eingehen kann. Aber ansehen, sich darüber austauschen, dazu möchte ich Sie alle doch noch motivierten.




Falk Neefken








Einführungsrede von Stephan Michaeli – zu Monika Leufen



Foto: Monika Leufen




Meine Damen und Herren […]!

Ich freue mich, nun bereits zum dritten Male eine Ausstellung der Reihe „Kunst in der Apsis“ hier in Meerbusch-Osterath eröffnen zu dürfen.

Es ist jedes Mal spannend und herausfordernd, einen neuen Zugang zu den mir zuvor in der Regel nicht bekannten Künstlern zu erarbeiten und Sie an diesen Gedanken teilhaben zu lassen.
So bin ich auch Monika Leufen und deren Werken, von denen wir einige heute unter dem Ausstellungstitel „Licht und Farbe“ vorstellen, zum ersten Mal Anfang März dieses Jahres in ihrem Krefelder Atelier begegnet.

Frau Blauth als Kuratorin hat bei dieser Gelegenheit neun starkfarbige Gemälde – die meisten davon tragen den Titel „Brückenschlag“ – und vier Hinterglasbilder ausgewählt.

Diese verteilen sich teils im Kirchenraum, teils im Gemeindesaal, und werden bis zum 27. Mai 2018, über die Hochfeste von Christi Himmelfahrt und Pfingsten hinweg zu sehen sein.








Was unmittelbar ins Auge springt, ist die leuchtende Farbigkeit in den Arbeiten von Monika Leufen.
Dies gilt zunächst für die häufig von ungemischten und daher besonders intensiven Acrylfarben dominierten Gemälde; dies gilt aber fast noch mehr für die kleinformatigen Hinterglasbilder, die sich mit ihren harten, glänzenden Oberflächen einerseits der Bildschirmästhetik unserer digitalisierten Welt annähern, zugleich aber auch in einer langen Tradition der volkstümlichen gläsernen Votivtäfelchen stehen, wie man sie manchmal noch in ländlichen Dorfkirchen findet und deren naiver Charme schon die wichtigsten Vertreter der Künstlergruppe „Blauer Reiter“ auf ihrem Weg in die farbige Abstraktion inspirierte.

Ist also die leuchtende Farbigkeit zunächst einmal eines der auffälligsten Charakteristika der Bilder von Monika Leufen, so kann man dennoch nicht sagen, die Farbe sei das letzte Ziel.
Hellere und dunklere Farben begegnen sich in den Gemälden, überlagern sich dabei manchmal lasierend, manchmal kreideartige, gitterige Strukturen bildend; es entstehen Trübungen, aus denen das Bildlicht herauszusickern scheint.

Vor allem aber zeichnen sich darin Bewegungsspuren ab: Schraffuren von Graphitstiften, gekurvte Farblinien, die sich zu Rundungen schließen oder offene Bogenmotive formen. 
So entstehen strukturierte Farbnebel, die sich manchmal zu einem intensiven inneren Glühen verdichten, oder (wie in dem zentralen Bild in der Apsis, betitelt „Lichtweg“) wo sich die intensiven landschaftsartigen Farbstrukturen des Hintergrunds nach vorne hin, in eine lichthafte Helligkeit auflösen und dann im Vordergrund sich eine von roten und blauen Randspektren begleitete Lichtbahn vor das Gelb schiebt, welches die Mittelgründe definiert.





Gerade dieses zentrale Bild der Ausstellung scheint sich in der starken seitlichen 
Beleuchtung durch die Apsisfenster aus seiner intensiven Farbigkeit heraus in eine extreme Lichthaftigkeit zu entmaterialisieren.
Interessanterweise lässt das morgendliche Sonnenlicht während des Gottesdienstes ein ganz ähnliches Farbspektrum der Kirchenfenster auf den umgebenden Wänden aufleuchten. Die farbige Lichthaftigkeit des Gemäldes scheint dabei jedoch die matte Strahlkraft der realen Lichtreflexe bei weitem noch zu übersteigen.

Wenngleich also die Bildfarbe das primär Wirksame ist, auf das die Künstlerin zu Recht auch ihr Hauptaugenmerk legt, so wird das Bildlicht doch zum eigentlichen Bildgegenstand.
Es wird ebenso zu einer zeichenhaften Erscheinung wie die schwebenden Bogenmotive, die in einigen Bildern an Brücken erinnern, oder wie die anthropomorphen Gestalten und Gesichter, welche sich im Gemälde „Leben“ – dies ist das Mittlere der drei Gemälde auf der Rückwand des Gemeindesaales –
allmählich aus dem Strudel der Farben herauszuheben scheinen.

Bei einer ersten Betrachtung dieses Bildes vermutete ich eine kompositorische Anlehnung an traditionelle Ölbergszenen, eine sogenannte „Agonie“, bei der üblicherweise einem übergroß gezeichneten, aber in sich zusammengesunkenen Jesus in einer nächtlich gesteigerten Lichtvision der unmittelbar bevorstehende Tod vor Augen tritt, während seine in der Nähe schlafenden Jünger in einem geringeren Bedeutungsmaßstab seitab liegend dargestellt sind. Das Thema „Leben“ wäre in diesem Falle von seinem äußersten Kontrast, der Todesangst, her zu begreifen.
Die Künstlerin selbst dagegen deutete die kleine liegende Figur im Vordergrund als einen Säugling in einem allgemeinen „Zyklus des Lebens“.
Dieser Hinweis ist nicht von der Hand zu weisen und lenkt die Bildassoziationen auf einen zweiten bekannten Topos: die nächtliche Geburt Christi. Man könnte demnach ebenso leicht versucht sein, die Lichterscheinung des Bildes erneut ikonographisch als eine Ausschnittsvergrößerung einer „Natività“, eines nächtlichen Geburtsbildes, zu deuten.
Geburt und Agonie als Pole des Lebens finden im Bild durchaus ihre Anknüpfungspunkte; als begriffliche Zuspitzungen bleiben sie jedoch der abstrakten Gestaltungsweise fremd.
Die fortgeschrittene Auflösung der Figuren in einem Strudel von Lichtern und Farben widersetzt sich letztlich jeder allzu eindeutigen Festlegung im Sinne einer konventionellen ikonographischen Symbolik.
Zwar gibt es im Gemälde Anhaltspunkte, die sowohl Bildassoziationen zu Geburt und Sterben als Bestandteilen des Lebens ermöglichen, das eigentliche Lebensthema aber spiegelt sich letztendlich ganz in der Vitalität der farbigen Strudel und damit im malerischen Duktus des Gemäldes.

Hier deutet sich nun ein spezifisches Verhältnis von Abstraktion und Symbolik an, das mir bereits im Ateliergespräch auffiel, und dem ich im Folgenden noch etwas weiter nach spüren möchte.
Interessanterweise schienen mir Künstlerin und Kuratorin im Gespräch zunächst
durchaus verschiedenartige Symbolbegriffe zu verwenden, und so stellte ich die Frage nach der konfessionellen Prägung.
Die unterschiedlichen Symbolauffassungen die dem spätmittelalterlichen Nominalismus und den Begriffsrealismen verschiedener Ausprägung zugrunde liegen, haben für uns Heutige kaum noch weltanschauliche Bedeutung.
Gleichwohl konnten sie doch einst die reformatorischen Kirchenspaltungen befeuern und gelegentlich spüren wir noch heute unterschwellig die Wirksamkeit dieser unterschiedlichen kulturgeschichtlichen Prägungen.
Der Antagonismus von stärker begriffsrealistischen Auffassungen gegenüber eher zeichenhaften Symbolbegriffen durchzieht die ganze Philosophiegeschichte:
Er trennte einst Thomas von Aquin auf der einen Seite und Luther oder mehr noch Calvin auf der anderen.
Durch die unterschiedlichen konfessionellen Sozialisationen aber tradierten sich solche Denkmuster – oft unbewusst – noch bis in die Gegenwart und gelegentlich vermeinen wir sie dann mitten in einer Diskussion über Kunst zu spüren. – Religiöse Prägung wirkt bisweilen bis in unser ästhetisches Empfinden hinein!
Und wie vermutet, bestätigte die Künstlerin ihre ursprünglich katholische Erziehung, durch die sie geprägt wurde, wenngleich sie sich seither in ganz verschiedene Richtungen weiterentwickelt hat.

Dies gibt zunächst Gelegenheit einige Angaben zur Biographie einzuflechten:

2 Biographie

Monika Leufen ist 1943 in Düsseldorf geboren und wurde – wie nun bereits erwähnt – in ihrer Jugend katholisch geprägt.
35-jährig beginnt sie ein Produktdesignstudium an der Hochschule des Niederrheins in Krefeld, das sie 1984 als Objektdesignerin mit einer Diplom-Arbeit über „Wandmalerei“ abschließt.
Von 1984 bis 86 schließt sie daran ein Zusatzstudium der freien Malerei an.
Seither hatte sie etliche Ausstellungen, zu denen wiederholt Roswitha Hirner, Professorin an der Hochschule des Niederrheins,
die Laudatio hielt (1986, 1988, 1992, 1996).
Diese Texte sind in einem Katalog von 1997 zusammengefasst.
Bereits 1989 war Monika Leufen die Erste, die eine Ausstellung im Rahmen des „Kulturraums Notkirche Essen“ bestritt; einem Ort der über die Jahrzehnte hinweg zu einer kulturellen Institution geworden ist. Ähnlich wie die „Kunst in der Apsis“ hier in Osterath.

Weitere Ausstellungen folgten in der Krefelder Mennonitenkirche und der evangelischen Lukaskirche in Krefeld (2013).

Man kann also festhalten dass Monika Leufens  Arbeiten ökumenisch und interkonfessionell in verschiedenen kirchlichen Gemeinschaften gezeigt wurden. Sie selbst versteht ihre Arbeiten durchaus als religiös. Und Roswitha Hirner hat wiederholt in ihren Texten auf religiöse Aspekte hingewiesen.
Dennoch bin ich hier zögerlich. Denn in welchem Sinne kann man begründet sagen, es handele sich um religiöse Bilder?

3 Sind Bilder religiös?

Es könnte im Rahmen dieser Ausstellung recht verlockend sein, mit einigen Zitaten und Hinweisen auf konventionelle Farbsymbolik (feuriges Rot als liturgische Heilig-Geist-Farbe, Verweis auf Pfingsten) oder traditionelle Lichtmetaphorik kurzschlüssige Bezüge zur Ikonographie der Auferstehung, Verklärung und Himmelfahrt Christi zu konstruieren.
Dies wäre jedoch in theologischer wie kunsthistorischer Hinsicht gleichermaßen fragwürdig.
Religiosität ist ein so weiter Begriff, dass er nichts aussagt, wenn er nicht konkret gefasst wird.
Das häufige Auftauchen von Bogenmotiven lässt sich nicht einfach als ein religiöses Symbol der Verbindung von Diesseits und Jenseits vereinnahmen.
Betrachten wir das gelbe Bild an der Seitenwand des Gemeindesaals, so fühlen wir uns an Landschaftsbilder William Turners erinnert, bei denen unvermittelt einige Fragmente von Brückenbögen aus dem Wabern farbiger Nebel auftauchen. Alles Schwere und Naturalistische scheint sich darin aufzulösen.

Anklänge von naturhaften und architektonischen Elemente werden in einem
Rausch von Farben verklärt und in eine autonome künstlerische Sphäre entrückt.
Die Bilder gründen also mindestens ebenso im Kunsthistorischen wie im Religiös-Spirituellen.

Im linken Bild an der Rückwand des Gemeindesaales erscheinen des Weiteren übereinander getürmte Bögen in ausgedehnter Dunkelzone wie entfernte Erinnerungen an die „Carceri“-Bilder Piranesis. Im Unterschied aber zur Düsternis und Unentrinnbarkeit von Piranesis Kerkerbildern öffnet sich hier der Raum zu einem lichten Blau und hoffnungsfrohen rosaviolett.

Damit zeigen die Bilder Monika Leufens in ihrer Farbigkeit eine spezifische Spiritualität, der ich mich nun mit einem Zitat aus dem Katalog von 1997 annähern möchte:

4 Selbstzeugnis

In diesem Selbstzeugnis zu „Anliegen und Zielen…“ ihrer künstlerischen Arbeit beschreibt Monika Leufen als das eigene „… Hauptanliegen: die Farbgebung. Mein Wunsch ist es mit der Farbgebung den Empfindungsbereich des Bildbetrachters zu berühren und […] über das Gemüthafte und Unterbewusste den Intellekt zu erreichen. Dies ist vergleichbar mit der Wirkung, die ein Musikstück auf einen Zuhörer ausüben kann.“
Sie stellt sich damit gleich in zwei bedeutende künstlerische und denkerische Traditionslinien: „Farbe als Klang“ ist zunächst ein zentraler Aspekt in der Ästhetik und künstlerischen Theorie von Wassily Kandinsky – einem der einflussreichsten und prägendsten Bauhauslehrer und Pioniere der abstrakten Malerei am Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine wichtigste Schrift handelt über „Das Geistige in der Kunst“.

Und der zweite Aspekt, den Leufen anspricht, das besondere Verhältnis von Intellekt und sinnlicher Erfahrung, bzw. der vorausliegenden Empfindung greift noch weiter zurück bis in die Onthologie und Erkenntnislehre des hochmittelalterlichen Kirchenlehrers Thomas von Aquin, dessen klassische Formulierung „Nichts ist im Geist, was nicht zuvor in unseren Sinnen war“ hier von Monika Leufen paraphrasiert wird.

Mit der Fortsetzung ihres Zitates geht sie jedoch noch einen Schritt weiter und gelangt zur Ethik oder dem, was Goethe die sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe nannte:
„… Der Intellekt allein schafft keine Zustandsveränderung. Nur mit […] einer […] befreiten Psyche kann der Intellekt positiv und kreativ […] genutzt werden.“
D. h. über die ästhetischen und erkenntnistheoretischen Grundlagen ihrer künstlerischen Tätigkeit hinaus formuliert sie einen Appell, der zum schöpferischen und positiven Wirken in der Welt herausfordert.



5 Conclusio

Damit aber werden ganz spezielle Aspekte von Religiosität in ihrer Kunst konkreter fassbar: sie thematisiert letztlich das Verhältnis von „Vita contemplativa“ und „Vita activa“, von betrachtender und tätiger Lebensweise.
Auf der einen Seite steht das Hören auf den „Klang“ der Dinge, auf der anderen Seite geht es darum, den Dingen einen neuen Klang, eine andere Klangfarbe zu geben.
Der künstlerische Weg, das Fortschreiten vom Gegenstand zur Abstraktion wird damit selbst zum Gleichnis eines Wandlungsprozesses. Und in diesem Sinne stehen diese Bilder dann sehr wohl in einem inneren Zusammenhang zu den geistigen Wandlungen um die es auch im theologischen Kern der Feste von Christi Himmelfahrt und Pfingsten geht.

Hier endete ursprünglich der schriftlich vorbereitete Text, aber beim lauten Wiederlesen hatte ich das Gefühl, dass an dieser Stelle kein Endpunkt, sondern ein Auftakt stehen sollte.
Und so möchte ich mit dem Appell schließen, nun selbst aktiv zu werden und vor dem Hintergrund des Dargelegten die Bilder neuerlich in ihrer künstlerischen Eigenheit zu betrachten.


Stephan Michaeli





Fotos (bis auf 1): Marlies Blauth













Donnerstag, 31. Mai 2018

Blick in die Ausstellung: Anne Kurth – Zeichen








„Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, dass er sich von ihm taufen ließe.“





„Und Mose erhob seine Hand und schlug den Felsen mit seinem Stab zweimal; da kam viel Wasser heraus …“





„Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren.“





Blick in den Kirchraum


Fotos: Marlies Blauth








Donnerstag, 17. Mai 2018

Dienstag, 17. April 2018

Monika Leufen – Licht und Farbe











Blick in die Ausstellung