Samstag, 13. Juni 2015

Felix Droese – Podiumsdiskussion













Felix Droeses Blick auf Gott und die Welt

Der Künstler Felix Droese, früherer Teilnehmer von „documenta“ und Kunst-Biennalte Venedig, stellte sich in unserer Kirche einer Podiumsdiskussion. Anlass war unsere Ausstellung*, in deren Mittelpunkt sein Holzschnitt „kein zutritt“ stand.



Nicht etwa der Moderator Dr. Bertram Müller, Kulturredakteur der Rheinischen Post, sondern der Künstler Felix Droese selbst stellt die zahlreicheren Fragen: „Ist der moderne Mensch aufgeklärter als die Bibel?“ – „Gott ist eingezogen in uns – und was fängt der Mensch damit an?“ – „Woher kommt das Licht?“.
Wer will, kann aus diesem Gespräch viel Neues, Gedanken Anregendes, Zwiespältiges mit nach Hause nehmen – denn es sind natürlich auch jede Menge Statements zu hören, ungewöhnliche Zusammenhänge, manchmal überraschend traditionelle Töne. Dass Gott zu einer „Sie“ gegendert werde, nein, das sei nicht akzeptabel.
Offener, öffnender sind da Aussagen wie „Wir tragen immer Bilder mit uns herum“. Als neugieriger Mensch müsse man den Zeichen in ihrer Fragestellung nachgehen – ein Hinweis auf einen wesentlichen Aspekt seines künstlerischen Tuns, bei dem er sich allerdings keinesfalls abheben will von den alltäglichen Anliegen der Menschen, sondern genau darauf immer wieder Bezug nimmt. „Die Kunst findet da statt, wo ‚ich‘ bin“ – damit meint er sowohl Künstler als auch Kunstbetrachter, Rezipienten. Manches habe der Betrachter sogar besser im Blick als der Künstler selbst; hinter ihm, in der Apsis, sein riesiger Holzschnitt kein zutritt – beide Worte kreuzartig angeordnet, ineinander verwoben. Ein Betrachter las einmal „kern“, und ja, genau das ist doch gemeint im Schnittpunkt der eher flachen, weltlichen Horizontalen und der Vertikalen, „die in die Tiefe geht“. Der Kern der Sache sei ihm selbst erst aufgefallen, als es dieses Gespräch gab.
Bewegung – alles, was Wahrnehmen und Austausch fördert – ist überhaupt ein zentraler Begriff bei Droese, Kontrapunkt zu und Erlösung von so niederschmetternden Aussagen wie „Mit der Kunst können die Menschen so wenig anfangen wie mit dem Wort Gottes; beides ist verstellt, verräumt“ – da möchte man am liebsten gleich anfangen, alles zu entrümpeln, freizuräumen vom Ballast, um doch noch zum Kern der Sache vorzudringen. „Ich“ sagt Droese und meint damit „wir alle“ – „ich bewege mich im Zwiespalt: Einerseits muss ich es in der Moderne aushalten, andererseits ist die Moderne ein Trugschluss, der den Menschen geradezu überflüssig werden lässt.“ Als bedenkenswertes Beispiel nennt er die sich aktuell einschränkende Funktionstüchtigkeit der menschlichen Hand, die mehr oder weniger zur Klaue oder Kralle mutiert – da Zeichnen und Schreiben immer weniger Bedeutung hat, ja sogar in Gefahr ist, abgeschafft zu werden zugunsten von Tasten- und Touchscreen-Bedienung. Das sei in Wirklichkeit doch eine Rückentwicklung, kein Fortschritt.
„Wie erarbeitet sich der Mensch einen direkten Zugang – zu sich selbst?“ Fragen über Fragen, immer wieder Aufforderungen, „in Bewegung zu kommen“. In Bewegung wie das flüssige (Farb-)Material, mit dem er so gern arbeitet, weil es Spuren, Verlaufsspuren aufs Papier bringt, die also Prozess und gleichzeitig Ergebnis sind.
Eine Metapher für die Lebendigkeit des Menschen, die – bei aller Beweglichkeit und Eigenständigkeit – gleichermaßen das Vaterunser ernst nehmen sollte: „Dein Wille geschehe“. Das, so ist zu spüren, liegt dem Künstler wirklich am Herzen.


Marlies Blauth


*die Ausstellung kam durch die freundliche Kooperation mit dem Galeristen 
Bernd R. Meyer zustande. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank.



















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