Samstag, 31. Mai 2014

Günter Thomas – re|formation









Am Sonntag, dem 1. Juni 2014, wurde eine neue Ausstellung in der Evangelischen Kirche Osterath eröffnet: „re|formation“  –  wort | beruf | konflikt“, Installationen des Künstlers und Theologieprofessors Günter Thomas.
Dazu sollte man wissen: Mit zehn Themenjahren – auch: Lutherdekade genannt  – wird der Weg zum Reformationsjubiläum 2017 gestaltet, das Motto des Jahres 2014 heißt „Reformation und Politik“. Dies künstlerisch aufzuarbeiten, ist eine gewaltige Aufgabe, die die Evangelische Kirchengemeinde Osterath mit Spannung und Vorfreude Günter Thomas übertragen hat. Er zeigte hier bereits im Jahr 2011 eine außergewöhnliche Ausstellung. Bemerkenswert: Die aktuelle Ausstellung ist komplett für die Osterather Kirche geschaffen. Keine leichte Kost, die man im Vorbeigehen verstehen könnte; man muss sich einfinden.
Der Professor für Theologie an der Ruhr-Universität Bochum, zweifach promoviert, ist dazu ausgebildeter Tischler und seit langem künstlerisch aktiv. Seine Installation im Kirchraum, die aus drei Teilen besteht, erläutert er so:

Das erste Element, in der Apsis, ist dem Themenkomplex Schrift – Druck – Bildung – Hausfrömmigkeit gewidmet: Eine Fahne aus 25 einzelnen, aneinandergefügten bedruckten Papierbögen, die durch eine Behandlung mit Öl durchsichtig geworden sind und deren doppelseitiger Text nurmehr als Struktur – der Künstler sagt: „Erinnerungsspur“ – wahrnehmbar ist; davor ein gedeckter (Küchen-)Tisch, der, ohne Stühle in die Apsis gestellt, wie ein Altar wirkt. Auf den Tellern liegen Bleilettern, symbolisch für den Buchdruck, der zur Zeit Luthers gerade zu blühen begann; darüber hinaus deuten sie auf die Verbreitung von evangelischem Schrifttum, also auf die Vermittlung von Bildung und Emanzipation. Was jetzt fast verklärend klingt, ist nur die eine Seite; die andere beinhaltet Anklänge kritischer Distanz, werden einem hier doch unverdauliche schwere Brocken vorgesetzt, zu „fressen“ gegeben.

Das zweite Installations-Element bezieht sich auf Luthers Ausdruck „Priestertum aller Gläubigen“ (bzw. Getauften). Günter Thomas zeigt hier im Bedeutungszusammenhang Beruf – Kultur einige Gegenstände, die auf bestimmte Berufe hinweisen, so eine Arbeitstasche, eine Auswahl Werkzeug, eine Arzttasche, Teile von Musikinstrumenten. Sie alle hängen „vergoldet“ (also: mit Goldfarbe bemalt) an der Wand, überdies vereint in einen riesigen Holzrahmen – und erfahren so eine deutlich sichtbare Aufwertung mit dem Leitmotiv der Berufung, die sich, vor allem durch Luther initiiert, plötzlich auf gleicher Höhe mit der geistlichen befindet: Das Praktisch-Alltägliche und damit der Mensch in seinem Lebenszusammenhang hat damit neue, wichtige Bedeutung gewonnen.

Das dritte Element der Installation ist eine vorwiegend in Rottönen übermalte Schullandkarte als Hinweis auf die bitteren politischen Auseinandersetzungen und Neuordnungen, die sich durch die Reformation ergaben. Der Künstler: „Die Reformation hat neben einem landesherrlichem Kirchenregiment auch (in der reformierten Traditionslinie) Demokratie befördert, aber zunächst auch enorme religionspolitische Konflikte befeuert.“ Kleinere Einsprengsel aus blauer Farbe dienen als Hinweis, dass es eben auch um Glaubensinhalte, um „Göttliches“ ging, wie Günter Thomas erläutert. Durch das Blutvergießen des 30-jährigen Krieges geht das weitgehend unter – weil jeder Krieg Untergang bedeutet. Im Raum steht die Frage nach dem Verhältnis zwischen Religion und Gewalt.


© Marlies Blauth (Text),  © Andreas Blauth (Fotos)

Ausstellungsdauer: bis zum 10.8.2014

Geöffnet ist die Ausstellung werktags 9 – 12 Uhr und nach Vereinbarung unter 02159 50442.
  










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