Freitag, 23. August 2013

Christoph Sattler










Christoph Sattler – Schöpfung. Radierungen


„Schöpfung. Radierungen“ – wie schön klingt das! Wer diese druckgrafische Technik kennt, denkt da vermutlich an den Moment, in dem man die Radierplatte aus dem Ätzbad holt und sich das Ergebnis ansieht: Da hat sich etwas getan, eine handwerkliche-künstlerische Druckvorlage, eine Matrix ist entstanden.

Die Kunst der Radierung führte in den letzten Jahrzehnten ein eher zurückhaltendes Dasein, so ist es kein Wunder, dass sie auch innerhalb der „Kunst in der Apsis“ recht selten gezeigt wurde. Christoph Sattler lässt sich durch die Vielfalt der Radierung immer wieder aufs Neue faszinieren, selbstverständlich kann er jede Menge Spannendes über die Strichätzung und verschiedene Aquatinta-Techniken berichten und dabei geheimnisvolle Wörter wie Carborundum oder Zuckertusche-Reservage erläutern. Historisch gesehen war die Radierung nach dem Holzschnitt die erste „moderne“ Drucktechnik, bei der nämlich chemische Prozesse die handwerkliche Arbeit zwar nicht ganz ersetzten, jedoch deutlich erleichterten.

Die Druckgrafik zeigt besonders deutlich auf, wie sich künstlerische Arbeit vielfach an der Natur orientiert: es gibt einen unendlichen Pool an Variationsmöglichkeiten, dennoch gehören alle Kunstblätter zu einer „Familie“. Solch eine Serie ist Christoph Sattlers „Schöpfung“, bestehend aus acht Blättern, für jeden Schöpfungstag eins, für den sechsten zwei. „Ich liebe Bildfolgen [zu Texten],“ sagt der Künstler, „das Wort ist mir sehr wichtig und regt oft Ideen und Bilder an.“ Seine bildnerische Umsetzung der Schöpfungsgeschichte sollte, außer in der Christuskirche in St. Tönis, möglichst auch in anderen Kirchen gezeigt werden. Die Evangelische Gemeinde Osterath bestätigte Sattlers Anfrage sehr gern.

Christoph Sattler ist Jahrgang 1932; sein „Brotberuf“ war immer im kaufmännischen und unternehmensberatenden Bereich angesiedelt, dennoch sind mehr als 40 künstlerisch aktive Jahre zusammen gekommen, vorwiegend im druckgrafischen Bereich (Radierung; Linol- und Holzschnitt, Materialdruck u. ä.). Seine Kenntnisse und Fertigkeiten lernte und vervollkommnete er unter anderem an der Europäischen Akademie für Bildende Kunst Trier und an der Sommerakademie Salzburg, außerdem bei verschiedenen Künstlern in der niederrheinischen Umgebung.
Von der langen Ausstellungsliste sind besonders zu nennen: die art multiple Düsseldorf 1997, die Galerien Heidefeld & Partner in Krefeld und Hüther in Willich-Anrath, der Kultur.Punkt Friedenskirche Krefeld und die Ev. Christuskirche in St. Tönis, außerdem die jährlichen Werkstatt-Ausstellungen.

„Die ursprüngliche Idee war eine abstrakte Darstellung [der Schöpfungsgeschichte]; an der bildgewaltigen Sprache der biblischen Erzählung ist das gescheitert“, erzählt der Künstler. Nein, gescheitert ist es natürlich nicht: Wer Farbradierungen von sechs Platten drucken kann, der muss exzellent abstrahieren können. Im übrigen geht die Schöpfungsgeschichte vom allgemeinen, unbenennbaren, wenn man so will „noch-abstrakten“ Chaos aus, um in immer detaillierter ausgestaltetes Leben zu führen. Das zeigt uns Sattler mit seiner achtteiligen Serie – die, erstaunlicherweise, in einer durchaus abstrakten Arbeit über den siebenten Tag endet, dem „Mysterium, dass Gott ruht“. Das Blatt ist fast leer, nur mit gelbgolden schimmernden Strukturen bedruckt. Der Sonntag: Ein Tag, den wir Woche für Woche mit etwas Kostbarem – nämlich reichhaltiger, inspirierender Ruhe – ausfüllen können, dürfen, sollten.


Marlies Blauth



Fotos oben: Sattler/ privat

















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